Deutsch für Anfänger

Guck mal, wer da hilft!

Deutsch für Anfänger
von und mit Lisa Hammel
Mittwoch abends; Unterkunft
Zielgruppe: erwachsene Anfänger

Der Mann sieht den Hund. Der Mann sieht die Katze. Der bestimmte Artikel im Akkusativ heißt mal “den” und mal “die”. Der, die, das, dem, den, Nominativ, Dativ, Akkusativ – und schon befinden wir uns mittendrin in den Untiefen der deutschen Sprache, in die sich an diesem Abend im Februar fünf unerschrockene Bewohner der Unterkunft Große Horst wagen. “Artikel sehr schwer”, bemerkt eine 35-jährige Jesidin und legt die Stirn in Falten.

Wir sitzen im hell erleuchteten Gemeinschaftsraum der Unterkunft. Anwesend sind zwei Männer und drei Frauen im Alter von 20-35 Jahren. Wie nahezu jede Woche steht Lisa Hammel an der Tafel und unterrichtet ihre SchülerInnen. Seit September 2015 unterstützt sie Flüchtlinge beim Start in die deutsche Sprache. Zunächst in der Unterkunft Borstels Ende, seit Januar 2017 in der neuen Unterkunft.

Der Kurs richtet sich hauptsächlich an Anfänger, es kommen aber auch Fortgeschrittene, die gerne viel Deutsch sprechen und schreiben möchten. Das spontane Einstellen auf die unterschiedlichen Niveaus ist eine Herausforderung bei diesem Kurs. Regelmäßig kommen vier bis sechs Personen, in Spitzenzeiten drücken auch schon mal 15 Schüler die Schulbank. Die meisten sind Jesiden aus dem Irak, aber auch Eritreer und Afghanen bilden sich hier weiter.

Im Mittelpunkt des Unterrichts stehen Alltagsthemen. Die didaktische Grundlage bildet ein Buch, das speziell für Ehrenamtliche konzipiert ist, die ein Deutschangebot für Migranten anbieten. Manchmal liest Lisa Hammel auch eine einfache Geschichte vor und stellt Fragen dazu oder sie bearbeitet eine Bildergeschichte. Besonders viel Spaß machen Themen, die alle betreffen: Familie, Essen, Unterschiede zwischen Deutschland und den Heimatländern. Dann findet ein lebendiger Austausch statt, bei dem auch die Lehrerin viel lernen kann.

Bisweilen kommen Fragen zu Papierkram, Wohnungssuche und zwischenmenschliche Problemen zur Sprache, die den Rahmen des Unterrichts inhaltlich und zeitlich sprengen. Meistens kann Lisa Hammel auf das Sozialmanagement und die Angebote von Klein Borstel hilft im Alten Pastorat verweisen, aber manchmal ist direkte Hilfe gefragt. Das kann nach einem langen Arbeitstag und der Unterrichtsstunde dann auch mal anstrengend werden.

Heute nimmt der Unterricht jedoch seinen geplanten Verlauf, nun nennen alle Lebensmittel, die sie gern in der Küche verwenden. Zitrone, Aubergine, Tomate, Fleisch, Petersilie, Reis und zehn weitere Leckereien schreibt Lisa Hammel nach Wortmeldungen an die Tafel. Zu jedem Lebensmittel soll der passende Artikel auf einem Flipchart gefunden werden. Bevor der Ingwer aber bearbeitet werden kann, herrscht noch Klärungsbedarf – was ist das? Nach einigen ihn wenig erhellenden Erklärungen winkt ein lustiger Mützenträger resigniert ab und meint ganz pragmatisch: “Wenn lecker, dann schreiben.”